Die «Verschwörungstheoretiker» Verschwörungstheoretiker

Am 2. April 2020 veröffentlichte das WDR-Nachrichtenmagazin Monitor den Beitrag «Alternative Fakten zu Corona: Das Netzwerk der Verharmloser und Verschwörer». Im Beitrag geht es um sogenannte alternative Medien, welche Fake News, Verschwörungstheorien und Halbwahrheiten verbreiten würden. In der Corona-Krise hätten zweifelhafte Experten und Verschwörungstheorien Hochkonjunktur. Genannt werden diverse alternative Medienkanäle. Sowohl linke, wie rechte – seriöse, aber auch reisserische. Auf Twitter kündete der Redaktionsleiter Georg Restle die Sendung mit den Worten «Rassistische und antisemitische #Corona-Verschwörungstheoretiker unter dem Schutzmantel der AfD» an. Im Beitrag kommen jedoch selbst drei zweifelhafte Experten und Verschwörungstheoretiker zu Wort, welche sich dort als «Wissenschaftler» ausgeben und ihre weltpolitischen Ansichten unkritisch verbreiten dürfen. Welchem staatlich finanzierten Netzwerk diese angehören und was deren Agenda ist, werden wir in diesem Artikel erörtern.

Zuerst lässt man die Psychologin Pia Lamberty von der Universität Mainz zu Wort kommen, welche erklärt: «Verschwörungstheorien zeichnen sich dadurch aus, dass Menschen glauben, dass es eine dunkle Macht gibt, die im geheimen böses tut.» Eine Aussage, welche sehr viel Spielraum lässt. Sind es Idioten, welche an eine «jüdische Weltverschwörung» glauben? Vieleicht Kritiker, welche sich sorgen machen, dass sich Oligarchen an ihren Events absprechen und Einfluss auf unsere Politiker nehmen? Möglicherweise Forscher, welche den düsteren Machenschaften der Geheimdienste auf der Spur sind? Eventuel sind es Journalisten, welche denken, dass sich alle alternativen Medien zusammengeschlossen haben um die Regierung zu stürzen? Oder gar Experten, welche hinter allem was nicht ihrem Weltbild entspricht ein antisemitisches Nazi-Netzwerk sehen? Letztere Gruppe wollen wir uns einmal genauer anschauen.

Im «Journal EXIT-Deutschland», welches von der Amadeu-Antonio-Stiftung mitfinanziert wird, durfte «Expertin» Pia Lamberty einen Artikel mit dem Titel «Don’t trust anyone: Verschwörungsdenken als Radikalisierungsbeschleuiniger?» veröffentlichen. Im Kapitel «Am Rande der Demokratie? Verschwörungsmentalität und Zustimmung zu rechtspopulistischen Bewegungen und menschenfeindlichen Einstellungen» schreibt sie über den Journalisten Ken Jebsen, welcher ebenfalls im Monitor-Beitrag erwähnt wird, und meint:

«Aber auch heute findet sich noch eine Vermischung von Verschwörungsdenken und Antisemitismus. Ein in der Gesellschaft prominent diskutierter Fall ist der des ehemaligen rbb Radiomoderators Ken Jebsen. Jebsen wurde – nachdem einige seiner Aussagen als antisemitisch kritisiert worden waren – vom rbb aufgrund von Verstößen gegen journalistische Standards entlassen, woraufhin er sein eigenes Online-Portal KenFM gründete, welches vielfach verschwörungstheoretische Inhalte und Feindbilder bedient. Jebsen zählt als eine der Schlüsselfiguren der sogenannten Mahnwachen für den Frieden. Im April 2012 verlautbarte er im Zuge der Debatten um das Gedicht Was gesagt werden muss von Günter Grass «Es ist eine mediale Massenvernichtungswaffe, die hilft, dass wir seit über 40 Jahren die Fresse halten, wenn im Auftrage des Staates Israel Menschen in Massen vernichtet werden».»

Artikel: «Don’t trust anyone»

Wie gut, dass Frau Lamberty selbst keine Feindbilder bedient und eigentlich könnten wir diesen Absatz einfach stehen lassen. Denn man erkennt auch so, es ist nichts dran an ihrer Geschichte. Wir wollen aber den Abschnitt über Ken Jebsen kurz analysieren. Der Antisemitismus-Vorwurf wurde 2011 von Henryk M. Broder in seinem Blog «Achse des Guten» in den Raum gestellt. Broder veröffentlichte eine Mail von Jebsen an einen Hörer. In dieser Mail nahm Jebsen, etwas hastig, zu diversen Themen Stellung. Unter anderem bezog er sich auch auf den Holocaust. In den Medien wurde hauptsächlich der aus dem Zusammenhang gerissene Satz «ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat» [sic] aus dem Mail kommuniziert. Konkret schrieb jedoch Jebsen: «ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat. der neffe freuds. bernays. in seinem buch propaganda schrieb er wie man solche kampagnen durchführt. goebbels hat das gelesen und umgesetzt». [sic] Herr Jebsen bezieht sich daher nicht auf die «Holocaust-Lüge», sondern wie Propagandakenntnisse zur Durchführung des Holocaust verwendet wurden. Wieso also Frau Lamberty diese längst widerlegte Geschichte in ihrem 2017 erschienen Artikel aufgreift, lassen wir einmal dahingestellt. Insbesondere der ehemalige Arbeitgeber von Jebsen selbst kommuniziert hat: «Der Sender hat Herrn Jebsen gegen den Vorwurf verteidigt, er sei Antisemit und Holocaust-Leugner». Etwas sarkastisch könnten wir jetzt schreiben, dass Pia Lamberty eine längst widerlegte Verschwörungstheorie vom rechtslastigen alternativen Medium «Achse des Guten» weiterverbreitet hat. Wie perfide Pia Lamberty vorgeht, erkennt man auch an dem direkt in den Absatz platzierten Bild. Auf dem Bild sind die Zwillingstürme des World Trade Centers zusammen mit einem grossen Davidstern abgebildet. Darunter steht: «Anyone else… … doesn’t make sense». Sie hat also nichts Antisemitisches an Herrn Jebsen gefunden und versucht es daher mit billigen Suggestivtricks. Wohlgemerkt, diese Dame hat ein Masterstudium in Psychologie, ist Doktorandin an der JG Universität Mainz und wird viel von Medien als «Expertin» hinzugezogen. Bleibt also noch der letzte Satz kurz erwähnt, wo sich Jebsen auf die heftige mediale Kritik, welche Günter Grass nach seinem Gedicht entgegenstiess, bezieht. Hört man das Originalvideo an, erkennt man, dass zwar die Aussage inhaltlich richtig wiedergegeben wurde, jedoch einige Wörter abweichen. Frau Lamberty hat den Satz einfach aus einem Artikel im «Tagesspiegel» kopiert und sich offensichtlich nicht einmal die Mühe gemacht, die Primärquelle hinzuzuziehen. Die Sendung Monitor kündigte Pia Lamberty im Beitrag als «Wissenschaftlerin» an.

Auf Twitter regte sich Frau Lamberty über die teils heftigen Reaktionen auf, welche sie durch ihre eigenen Diffamierungen ausgelöst hat und teilt einige, sicher nicht ganz höfliche Printscreens von Kommentaren mit den Worten: «Solche «netten» Reaktionen gibt es übrigens quasi täglich, wenn man sich öffentlich zum Thema Verschwörungsideologien äußert». In einem Folgekommentar meint sie: «Hass im Netz ist kein Einzelphänomen, wie eigentlich alle berichten können, die sich öffentlich positionieren. Solidarisiert Euch, steht Menschen zur Seite, wenn sie angegriffen werden». Ihre Co-Buchautorin und Freundin, die Journalistin Katharina Nocun, mit welcher sie demnächst das Buch «Fake Facts – Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen» herausbringt, teilt ihren Tweet und ergänzt: «Solche Anfeindungen bekommen Menschen ab, wenn Ken Jebsen & andere den Namen in einem ihrer Texte erwähnen». Unter dem Tweet von Pia Lamberty meldet sich ein zustimmender User mit dem Namen «Quasiland» und schreibt: «Volle Soli zu diesen Arschlöchern!». Der Tweet wurde sowohl von Frau Lamberty, wie auch von Frau Nocun geliked. Wir halten also fest, Menschen oder Journalisten wie Ken Jebsen als «Verschwörungstheoretiker», «Antisemiten» und «Arschlöcher» zu bezeichnen ist für Frau Lamberty in Ordnung. Wenn dann aber heftige Reaktionen folgen, beruft man sich auf Hassrede. Bereits am 18. März durfte die sogenannte «Expertin» im NDR-Medienmagazin ZAPP ihre Theorien von sich geben. Praktisch, wenn man kurz vor einer Buchveröffentlichung eine derartige Medienpräsenz im öffentlich-rechtlichen Fernsehen erhält.

Eine Stiftung voller Hass und Verschwörungstheorien

Pia Lamberty war an der wissenschaftlichen Evaluation des Planspiels «Die Welt am Abgrund» beteiligt, welches die Amadeu-Antonio-Stiftung entwickelte und an verschiedenen Schulen durchgeführt wurde. Im Planspiel kann man bereits in der Einleitung erfahren, dass Antisemitismus und Verschwörungstheorien eng miteinander verbunden sind und dass «Verschwörungstheorien dieser Mythos in Form von Anspielungen, Codes und Chiffren» ausleben. Dies wird von der Stiftung auch «Struktureller Antisemitismus» genannt. So ist man gemäss Einleitung auch Antisemit, wenn man die Familie Rothschild oder George Soros kritisiert. Co-Redaktor des Planspiels ist der Stiftungsangestellte Jan Rathje, welcher als zweiter «Experte» in die Monitor-Sendung geladen wurde. Dort beklagt sich Rathje, dass Verschwörungstheoretiker vermehrt auch in politische Kreise vorrücken und sagte dazu: «Das ist hochgradig problematisch, denn wenn beispielsweise politische Macht errungen wird, von Menschen die Verschwörungsideologen anhängen oder sie verbreiten, dann kann es auch gefährlich werden, wenn Menschen sich durch diese Macht dann bestärkt darin fühlen». Was eine Verschwörungsideologie ist, bestimmt selbstverständlich die Amadeu-Antonio-Stiftung selber. Die Stiftung war im deutschsprachigen Raum massgeblich an der Verbreitung von Kampfbegriffen wie: «Verschwörungstheoretiker», «Verschwörungsmystiker» oder «Verschwörungsideologe» beteiligt und übernimmt auch gerne die Definitionshoheit dieser Begriffe. Wir schauen uns die Stiftung daher einmal genauer an.

Gegründet wurde die Stiftung 1998 von Anetta Kahane, welche seit 2003 auch deren Vorsitzende ist. Bis zur Wende lebte Frau Kahane in der damaligen DDR und war von 1974 bis 1982 als Inoffizielle Mitarbeiterin der Stasi aktiv. Ihre Akte, welche unter ihrem Decknamen «Victoria» geführt wurde, umfasst ungefähr 800 Seiten, wovon nur die Hälfte freigegeben wurde. Während dieser Zeit bespitzelte sie Freunde, Bekannte und Journalisten für kleine Zuschüsse in Form von Geld, Zigaretten und Schnaps. Frau Kahane betitelte andere Bürger in ihren Stasi-Berichten gerne als «politisch sehr rechts», «aggressive Person», «rassistische Tendenzen» oder «potentiell für staatsfeindliche Handlungen». Dass Frau Kahane und ihre Stiftung sich noch immer im Dunstkreis der staatlich geförderten Denunziation befinden und dies mit selbstgesponnen Verschwörungstheorien tun, erkennt man am Beispiel diverser Rechtsstreite mit dem deutschen Sänger Xavier Naidoo. Zuerst deklarierte die Stiftung sein Lied «Raus aus dem Reichstag» als antisemitisch, worauf Naidoo klagte. Man einigte sich auf einen Vergleich und die Stiftung musste sich bereit erklären, diverse Äusserungen gegen Naidoo nicht mehr zu tätigen. Die Stiftung beharrte aber weiterhin darauf, dass der Liedtext von «Raus aus dem Reichstag» zumindest als antisemitisch interpretiert werden könnte. In einen Text reininterpretieren kann man jedoch so ziemlich alles, insbesondere man sich irgendeine Verschwörungstheorie zu «Strukturellem Antisemitismus» zurechtlegt und sich zu stark darin verheddert.

Die Rechtsgeschichte mit Naidoo nahm aber hier erst seinen Anfang, da die Mitarbeiter der Stiftung fest davon überzeugt sind, dass es sich bei Naidoo um einen gefährlichen Antisemiten handelt. Im Sommer 2017 sagte die Stiftungsangestellte Melanie Herrmann, welche zusammen mit Jan Rathje das Planspiel «Die Welt am Abgrund» redaktionell aufbaute, dass Naidoo Antisemit sei. Der genaue Wortlaut lautete gemäss Spiegel: «Er ist Antisemit, das darf ich, glaube ich, aber gar nicht so offen sagen, (…), aber das ist strukturell nachweisbar.» Selbstverständlich liess sich Naidoo dies ebenfalls nicht gefallen und klagte erneut. 2019 bestätigte auch die zweite gerichtliche Instanz, dass es sich hierbei um einen erheblichen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht des Künstlers handelt und sein Ansehen herabsetzen würde. Die Angeklagte hätte keine gewichtigen Beweise für ihre Meinung vorlegen können. Zudem würdigte das Gericht ein Konzert von Xavier Naidoo, welches er anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der deutsch-israelischen Beziehungen in Tel Aviv gab und dass er Initiativen gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenhass jeweils unterstützte. Einsicht zeigte die Amadeu-Antonio-Stiftung nach dem Urteil keine und meinte, dass wohl die Meinungsfreiheit der Referentin weniger Schützenswert sei, als die Persönlichkeitsrechte von Xavier Naidoo. Anetta Kahane, die Leiterin der Stiftung, meinte wörtlich: «Wenn nicht einmal jetzt Gerichte erkennen, wo Antisemitismus anfängt und wie er sich äussert, ist das ein Skandal». Wir wollen dies einmal festhalten: Eine Stiftung, welche sich gegen Rechtsextremismus engagiert, verwendet in diesem Fall genau jene Rhetorik, welcher sich oftmals Nazis und Holocaustleugner bedienen. Man ist entsetzt, dass die Gerichte nicht ihren Verschwörungstheorien glauben, man beruft sich auf freie Meinungsäusserung auch bei übler Nachrede und sagt Dinge wie: «das darf ich, glaube ich, aber gar nicht so offen sagen». Wie weit diese Verschwörungsideologie der Amadeu-Antonio-Stiftung bezüglich «Strukturellem Antisemitismus» mittlerweile geht, erkennt man an den aktuellsten Äusserungen in den Medien. In einem SWR-Interview erzählte die Stiftungsangestellte Judit Rahner kürzlich zur Kritik an Bill Gates: «Und die Figur, in diesem Fall Gates, ist eine austauschbare antisemitische Denkfigur. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, dass immer mehr Leute glauben, irgendwer sässe doch da oben und profitiert von der Krise.»

Die Amadeu-Antonio-Stiftung engagiert sich auch zum Thema Hassrede und veröffentlichte die von der deutschen Regierung mitfinanzierte Broschüre «Geh sterben! Umgang mit Hate Speech und Kommentaren im Internet». Redaktionelle Verantwortung für die Broschüre hatte Julia Schramm, welche bei der Stiftung auch als Fachreferentin für Hassrede arbeitete. Die Stiftung hat sich hierbei eine praxisnahe Expertin für diese Arbeit ausgesucht. Frau Schramm ist für ihre starke Ausdrucksweise im Internet bekannt. So machte sie auf Twitter Witze über die Bombardierung Dresdens und verwendet häufig Fachausdrücke wie: «Wichser», «Fascho» oder «Arschloch». 2014 twitterte sie: ««Halt die Fresse, Arschloch» finde ich immer noch am meisten zur Deeskalation beitragend.» Man erkennt also auch hier ein bekanntes Muster, welches schon Frau Lamberty nutzt. Hassrede im Internet wird nur dann als negativ betrachtet, wenn es nicht der eigenen politischen oder persönlichen Meinung entspricht.

Das Planspiel «Die Welt am Abgrund» bezieht sich in der Quellenangabe auch auf Michael Butter. Er ist der dritte «Experte», welcher in der WDR-Sendung Monitor seine Anschauungen kundtun durfte. Butter ist so etwas wie der Star in der Szene der wahren Verschwörungsideologen und es gibt kaum eine namhafte Zeitung, welche nicht schon ein Interview mit ihm geführt hat. Selbstverständlich ohne ihm jeweils kritische Fragen zu seinen Theorien zu stellen. Ungehindert darf er in den Medien seine Ansichten von sich geben, wie ein Guru vor seinen Jüngern. Butter bezieht sich dabei nie auf fachspezifische Dinge, wieso man beispielsweise der offiziellen Geschichte vom «Elften September» glauben sollte, sondern stützt sich immer nur auf einen psychologischen Standpunkt. Was kurz ausgedrückt heisst: Wer die offizielle 911-Geschichte nicht glaubt, ist ein Spinner. Auch musste er sich in Interviews noch nie erklären, weshalb jemand der Zweifel am «Elften September» hat, auch automatisch an eine «jüdische Weltverschwörung» oder eine «flache Erde» glauben sollte. Denn wenn er alle in die Schublade «Verschwörungstheoretiker» packt, müsste er dies als Wissenschaftler doch zumindest mit aussagekräftigen statistischen Zahlen belegen können. Der Journalist Urs P. Gasche vom Nachrichtenportal Infosperber wollte Herr Butter zu anderen Punkten seiner Theorie kritisch befragen. Dieser lehnte mit der Begründung ab, dass er erstens befürchte Hassmails und Hasskommentare zu erhalten – etwas was ihm bei reichweitenstärkeren Portalen noch nie Sorgen machte – und zweitens würden die vorgelegten Kritikpunkte auf «bewussten Missverständnissen, Zuspitzungen und Verallgemeinerungen» beruhen. Infosperber hat die Kritikpunkte auch ohne Antworten von Michael Butter veröffentlicht. Hier ein kurzer Auszug:

«Butter argumentiert in erster Linie mit Plausibilitäten: Dass eine Verschwörung oder ein Komplott nicht existiere, sondern nur ein «krankhafter Wahn» (eines Verschwörungstheoretikers) sei, erkenne man daran, dass nie Beweise für ein Komplott an die Öffentlichkeit kamen, und dass trotz vieler beteiligter Leute jahrzehntelang keine Zeugen aussagten. Doch tatsächlich gab es etliche grosse Verschwörungen, die gar nie an die Öffentlichkeit kamen oder erst lange Zeit später. Als Beispiele dienen die Geheimarmeen in Europa nach dem zweiten Weltkrieg. Oder der totale Überwachungsstaat durch westliche Geheimdienste, namentlich den amerikanischen NSA, den Edward Snowden aufdeckte.»

Artikel: Der Spezialist für Verschwörungsideologien kneift

Was haben die drei «Experten» sonst noch gemeinsam?

Jan Rathje und Pia Lamberty sind Mitglieder im «COST Action COMPACT – Comparative analysis of conspiracy theories in Europe», welches von Michael Butter mitbegründet wurde. Er ist seither auch Vizechef von COMPACT. Finanziert wird das Projekt über das europäische Forschungskoordinationsprogramm COST unter der Projektnummer CA15101. Auch die Schweiz, Deutschland und Österreich haben sich an den Kosten beteiligt. Die jeweiligen Studien und Projekte innerhalb des Programms, werden individuell durch die jeweiligen Universitäten, Stiftungen und Regierungen gesponsert. Gemäss dem «Memorandum of Understanding», welches Ende 2015 bei COST eingereicht wurde, will COMPACT zum Thema Verschwörungstheorien forschen und die entsprechende Literatur zusammentragen. Zudem will man Workshops für die Interessengruppen veranstalten und einen Pool von Experten erstellen, welche den Medien für Interviews bereitstehen. Zu den Interessengruppen gehören Journalisten, NGOs und Leute aus den Geheim- und Sicherheitsdiensten.

Im Zwischenbericht schreibt COMPACT, dass man Kontakte mit entsprechenden Interessengruppen in ganz Europa getätigt habe. Hierzu wurden diverse Workshops organisiert und man konnte so Kontakt mit einem französischen Filmemacher, diversen Journalisten und NGO-Mitarbeitern herstellen. Auch mit nationalen Sicherheitsbehörden sei man in Kontakt. Explizit erwähnt wird die «East StratCom Task Force», dessen Aufgabe die Aufdeckung russischer Propaganda innerhalb der EU ist. Zum weiteren Aufgabengebiet der Organisation, welche vom Europäischen Auswärtigen Dienst EAD betrieben wird, gehört auch Kommunikations- und Kampagnenarbeit um in östlichen Nachbarländern die EU-Aussenpolitik schmackhaft zu machen. Nein, werter Leser. Sich über russische Propaganda zu beschweren und gleichzeitig Propaganda in Nachbarländern der EU zu betreiben, scheint kein Widerspruch zu sein. Mehrere «East StratCom Task Force»-Angestellte hielten an den Events von COMPACT jeweils Vorträge. In einem Artikel der «East StratCom Task Force» kann man lesen, dass sich glaubwürdige professionelle Medien nicht in Verschwörungstheorien verstricken, unterschiedliche Blickwinkel darlegen und ein Artikel auf mehreren Quellen aufbaue. Ob man sich beim WDR jetzt sorgen macht, dass man ins Visier der «East StratCom Task Force» gelangen könnte, insbesondere man es geschafft hat in einem einzigen Monitor-Beitrag ganze drei «Experten» aus derselben Organisation zu befragen? Im Zwischenbericht wird auch die gute Zusammenarbeit mit Gesellschaftsorganisationen gelobt. Besonders hervorgehoben wird hierbei die Amadeu-Antonio-Stiftung. Zudem habe man an der Universität Tübingen, dem Arbeitgeber von Michael Butter, eine Trainingsschule durchgeführt um neue Studenten auszubilden. Dies sei die neue Generation von Forschern, welche COMPACT – gemäss eigenem Wortlaut – «produzieren» wolle. Wir dürfen uns daher zukünftig noch auf ganz viel mehr staatlich gefördertes Verschwörungsgeplänkel freuen.

In welche Stossrichtung das Ganze gehen soll, erkennt man an einer in England veröffentlichten Studie. Das Ziel von «Belief in conspiracy theories and intentions to engage in everyday crime» war aufzuzeigen, dass Menschen, welche an Verschwörungstheorien glauben, ein asozialeres Verhalten zeigen und eine höhere Tendenz zu kriminellen Verhalten haben.  Der Journalist Paul Schreyer schreibt auf Telepolis zur Studie:

«Unfreiwillig komisch wirkt die Feststellung der Autoren, dass die Beschäftigung mit Verschwörungstheorien eine anschließende «Desillusionierung» der Probanden «erhöhe». Desillusionierung wird hier wiederum als etwas Unerwünschtes und Schädliches betrachtet – da sich damit ja die Bereitschaft zur Kriminalität vergrößere. Auf der vorletzten Seite der Studie räumen die Autoren gleichwohl ein, dass die Kausalitäten auch ganz andere sein könnten: «Wir können nicht ausschließen, dass das kriminelle Verhalten der Teilnehmer Folge ihrer finanziellen Situation war und nicht ihres Glaubens an Verschwörungen.» Von dieser Möglichkeit wurde freilich in der Pressemitteilung zur Studie nichts berichtet, auch nicht in den internationalen Medienberichten dazu, wie im Independent, bei Daily Beast oder in der New York Post.»

Artikel: Verschwörungstheoretiker fahren bei Rot über die Ampel

Zwei der Autoren dieser Studie – Daniel Jolley und Karen M. Douglas – sind Mitglieder bei COMPACT. Karen M. Douglas hat kürzlich eine weitere Studie zu Verschwörungstheorien beim «Center for Research and Evidence on Security Threats (CRESP)» veröffentlicht. Eine staatlich finanzierte Organisation, welche auch von den britischen Geheimdiensten mitbegründet wurde. An der Studie beteiligt waren wiederum zwei weitere COMPACT-Mitglieder. Im Teil 4. «Was sind die Risiken im Zusammenhang mit Verschwörungstheorien?» der CRESP-Studie gibt es einen interessanten Aspekt. Untersuchungen in den USA haben ergeben, dass Menschen, welche an Verschwörungstheorien glauben, auch kritischer gegenüber den Kriegen in Afghanistan und Irak eingestellt waren. Sind sogenannte Verschwörungstheoretiker weniger anfällig für Kriegspropaganda? Wird deshalb versucht Kriegsgegner wie Ken Jebsen oder Daniele Ganser in ein schlechtes Licht zu rücken? Man exkommuniziert sie, damit nicht noch mehr Menschen ihren «abstrusen Verschwörungstheorien» folgen? Mitglied bei COMPACT ist auch Chad E. Brack. Er war lange bei der Spezialeinheit Green Berets, Studierte an der National Defense University und unterichtete am John F. Kennedy Special Warfare Center. Er hat sich zum Ziel gesetzt, die zunehmenden verschwörungstheoretischen Tendenzen innerhalb des US-Militärpersonals zu bekämpfen.

Von langer Hand geplant?

Michael Butters Obsession für Verschwörungstheorien bestehen seit mindestens 2008, wo er an der Uni Freiburg an seiner Habilitation arbeitete. Vom 13. – 15. Januar 2011 veranstaltete er zusammen mit dem heutigen COMPACT-Mitglied Maurus Reinkowski das dreitägige Podium «Conspiracy Theories in the Middle East and the United States». Bereits damals waren mehrere Personen involviert, welche heute Mitglieder bei COMPACT sind. Peter Knight – Co-Gründer und Präsident von COMPACT war dabei. Ebenfalls Annika Rabo, welche die Nobelpreisnominierung der Weisshelme unterstützte und eine Arbeitsgruppe bei COMPACT leitet. Auch die beiden COMPACT-Mitglieder Andrew McKenzie-McHarg und Türkay Salim Nefes hielten Vorträge. Beide sind zudem Mitglied bei «Conspiracy and Democracy». Eine britische Forschungsgruppe, welche bis 2018 aktiv war und vom «Observer»-Kolumnist John Naughton angeführt wurde. Insgesamt waren fünf COMPACT-Mitglieder bei «Conspiracy and Democracy» aktiv. Ebenfalls dabei war bis 2017 der Datenanalyst Rolf Fredheim. Er wechselte danach zum «NATO Strategic Communications Centre of Excellence (StratComOE)». Aufgabe von StratComOE ist es das Bewusstsein für die Politik der NATO zu fördern und mittels geplanten psychologischen Aktivitäten und Kommunikationsmethoden «die Wahrnehmung zu beeinflussen». Rolf Fredheim ist hauptsächlich im Social Media-Bereich tätigt und versucht dort Druck auf die Social Media-Betreiber auszuüben, damit diese, von der StratComOE gemeldete Accounts schneller löschen.

An die dreitägige Konferenz 2011 in Freiburg war auch Patrick Keller geladen. Er ist Koordinator für Aussen- und Sicherheitspolitik der Konrad-Adenauer-Stiftung und war Co-Autor, des vom Atlantic Council herausgebrachten und von Airbus finanzierten Berichts «Alliance at Risk – Strengthening European Defense in an Age of Turbulence and Competition». Im Bericht geht es hauptsächlich um eine grössere Beteiligung europäischer Staaten am Bündnis und die Unterfinanzierung derer Militärbudgets. Keller hat zusammen mit Michael Butter zwei Bücher herausgebracht. Eines trug den Titel: «9/11. Kein Tag, der die Welt veränderte». Er nahm 2012 an einem Expertenbriefing der Arbeitsgruppe «EU Security Foresight 2030» teil wo es um die Einflussfaktoren auf die zukünftige sicherheitspolitische Rolle der EU ging. Im Beschrieb dieser Arbeitsgruppe steht: «Die EU soll im beginnenden 21. Jahrhundert weltweit Verantwortung übernehmen, verfügt aber bisher nicht über ausreichende institutionelle, finanzielle oder militärische Mittel. Es klafft somit eine Lücke zwischen Handlungsanspruch und Handlungsfähigkeit.» Partner von «EU Security Foresight 2030» sind die Stiftung Mercator und das European Council on Foreign Relations. Organisiert wurde die Arbeitsgruppe vom Think Tank «Stiftung Neue Verantwortung», welcher wiederum von den üblichen transatlantischen Stiftungen finanziert wird (Omidyar Group, Stiftung Mercator, Robert Bosch Stiftung, Open Society Foundations, Bertelsmann Stiftung). Im Präsidium des Think Tanks sitzt auch der Politiker Cem Özdemir, welcher gleichzeig Unterstützer und Gründungskurator der Amadeu Antonio Stiftung ist. Da Herr Özdemir selber mit unzähligen transatlantischen Gruppierungen, wie dem European Council on Foreign Relations, der Atlantische Initiative, der Atlantik Brücke und der Bilderberg Konferenz verbandelt ist, hat er sicher nichts dagegen, dass die Amadeu Antonio Stiftung die Kritiker solcher wirtschafts-politik-militär Gremien als Verschwörungstheoretiker diffamiert.

In was für einer Welt leben wir?

Damit wir uns richtig verstehen. Natürlich gibt es innerhalb der Kreise, welche als Verschwörungstheoretiker bezeichnet werden, auch fragliche Gestalten, gefährliche Antisemiten, Rechtsradikale oder Spinner mit Science-Fiction Geschichten. Die Verklammerung dieser Minderheiten mit unzähligen kritischen Menschen ist jedoch fragwürdig und gefährlich. Oftmals haben diejenigen, welche Begriffe wie Verschwörungstheoretiker benutzen, selber eine eigene politische Agenda, welche nicht minder Demokratiezersetzend ist. Dass die Medien diesen Personen unkritisch eine Plattform bieten und gleichzeitig mithelfen, andere Pauschal zu diffamieren, wird sicherlich nicht zu einem höheren Medienvertrauen führen. Kritik ja. Aber bitte zielgerichtet, objektiv und sachbezogen.

Ist es sinnvoll, unzählige Steuermillionen in Forscher zu stecken, welche eine Studie nach der anderen produzieren und sich dabei immer wieder gegenseitig abschreiben und als Quelle angeben? Ein immenses Beschäftigungsprogramm für Sozialwissenschaftler, Psychologen und Literaturprofessoren. Dauerstudenten im Leerlauf. Ein Hamsterrad auf Talfahrt. Und während man obigen Forschern den Bauch füllt, werden gleichzeitig kritische Forscher aus dem Universitätsleben ausgegliedert. Daniele Ganser zum Beispiel. Unzählige Male von Michael Butter und seiner Kampftruppe in eine Ecke gestellt. Ohne Argumente. Mit Hilfe der Medien öffentlich hingerichtet. Sein Verbrechen? Er hat es gewagt die offizielle Geschichte der Ereignisse vom «Elften September» in Frage zu stellen. Jener Daniele Ganser, welcher sich mit seiner Doktorarbeit zu den NATO stay-behind-Organisationen einen Namen gemacht hat. Sein Buch «Nato-Geheimarmeen in Europa» hat uns ein Verständnis gegeben, wie unsere Regierungen damals mit Hilfe von rechtsradikalen Gruppierungen Terroranschläge in Westeuropa durchgeführt haben. Die NATO hüllt sich bis heute in Schweigen. Ist es gefährlich für die Demokratie, wenn man solchen Ereignissen auf den Grund gehen will? Hat jemand mit diesem Erfahrungsschatz nicht das Recht, die Ereignisse vom «Elften September» zu hinterfragen? Ein Ereignis, welches nur stümperhaft untersucht wurde, viele Ungereimtheiten beinhaltet und merkwürdige Verbindungen in Politik und Sicherheitsdienste hat. Schon nur das Hinterfragen führt zur Exkommunikation. Man fragt sich, was genau unsere Medien noch unter Demokratie verstehen.

Marcel Gasser

Fachbezogen ab Minute 12:00

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Links und Quellen:

 Kritischer Artikel über Michael Butter (Paul Schreyer)
Alternative Fakten zu Corona (WDR-Sendung Monitor)
Georg Restle (Twitter-Beitrag)
Don’t trust anyone (Journal EXIT-Deutschland)
Amadeu-Antonio-Stiftung (Finanzierung Exit)
Mail von Jebsen (Achse des Guten)
Vorwürfe an Jebsen (Tagesspiegel)
Stellungnahme Kündigung (Arbeitgeber rbb)
Nicht korrektes Zitat von Jebsen (Tagesspiegel)
Zitat von Jebsen (Primärquelle ab Minute 2:16)
Pia Lamberty (tweet)
Katharina Nocun (tweet)
Quasiland (tweet)
Pia Lamberty (Zapp)
Pia Lamberty (Die Welt am Abgrund)
Planspiel (No World Order)
Anetta Kahane (Stasi: NZZ)
Anetta Kahane (Stasi: Die Welt)
Anetta Kahane (Stasi: Hubertus Knabe)
Anetta Kahane (Stasi: Vera Lengsfeld)
Raus aus dem Reichstag (Amadeu-Antonio-Stiftung)
«Antisemit» Xavier Naidoo (nordbayern.de)
«Antisemit» Xavier Naidoo (Spiegel)
«Antisemit» Xavier Naidoo (Amadeu-Antonio-Stiftung)
Judith Rahner (SWR: Bill Gates)
Julia Schramm (Amadeu-Antonio-Stiftung)
Julia Schramm (Broschüre: Geh sterben!)
Julia Schramm (Arschloch auf Twitter)
Julia Schramm (Buch: Bürgerlich, christlich, sucht …)
Julia Schramm (Video – RT Deutsch)
Michael Butter (Infosperber)
Projekt COMPACT (Webseite)
Projekt COMPACT (COST Webseite)
Projekt COMPACT (Guide to Conspiracy Theories)
Projekt COMPACT (Zwischenbericht)
EAD (East StratCom Task Force)
East StratCom Task Force (Vor dem teilen Nachdenken)
Belief in conspiracy theories and intentions to engage in everyday crime (Studie)
Verschwörungstheoretiker fahren bei Rot über die Ampel (telepolis)
Conspiracy Theories (Studie CREST)
Geheimdienste (CREST)
Chad E. Brack (Lebenslauf)
Chad E. Brack (The Conspiracist Style in American Extremism)
Conspiracy Theories in the Middle East and the United States (Veranstaltungsprogramm)
Michael Butter (Lebenslauf)
Annika Rabo (Weisshelme)
Conspiracy and Democracy (Mitglieder)
Rolf Fredheim (CRASSH)
StratCom (Aufgaben)
StratCom (Social Media)
Patrick Keller (Lebenslauf)
Patrick Keller (Alliance at Risk)
Patrick Keller / Michael Butter (Arnold Schwarzenegger: Interdisciplinary Perspectives on Body and Image)
Patrick Keller / Michael Butter (9/11. Kein Tag, der die Welt veränderte)
Peter Keller (EU Security Foresight 2030)
EU Security Foresight 2030 (Beschreibung)
Stiftung Neue Verantwortung (Finanzierung)
Stiftung Neue Verantwortung (Präsidium)
Cem Özdemir (Amadeu Antonio Stiftung)

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